Chanukkafeier

1. Nach dem Untergang des Perserreiches entstanden viele lange Kriege, in deren Folge das heilige Land in die Gewalt verschiedener Herrscher geriet, bis es endlich unter die Oberherrschaft der Könige von Syrien gelangte.

 2. Im Verlauf dieser Kriege waren unsere Väter vielfach mit den heidnischen Griechen in Berührung gekommen und hatten sich auch viele Heiden in Palästina niedergelassen. Da waren viele unter dem jüdischen Volk, denen die heidnischen Unsitten gefielen, und die bestrebt waren, heidnische Gebräuche in Israel heimisch zu machen.

3. Als sich aber die Frommen dem widersetzten, da wurden die Heidnischgesinnten zu Verrätern an Israel und an der Tora. Sie beredeten nämlich den König Antiochus Epiphanes von Syrien, er möge Israel durch Gewalt zwingen, das Heidentum anzunehmen. Diesen Rat befolgte der grausame König sehr gerne. Zuerst schick­te er seine Feldherrn; dann kam er selbst mit großen Heeren nach Palästina, ließ viele Tausende niedermetzeln, drang in den Tem­pel, verunreinigte ihn und ließ ein Götzenbild darin aufstellen.

4. Damit nicht zufrieden, erließ er Befehle, durch welche die Ausübung der Gebote Gottes bei Todesstrafe untersagt und die Verehrung seines Götzen geboten wurde. Dann schickte er Henker im Land umher, die alle Bewohner zur Befolgung dieses Befehls zwin­gen sollten. Wer ein Gebot der Tora befolgte, wurde getötet; wer sich weigerte, Götzen zu verehren, ebenfalls. Viele gehorchten und fielen von Gott ab; andere flohen in die Wüsten und in die Gebirge, wo sie sich kümmerlich von Wurzeln und Kräutern nährten. Das heilige Land, die Stadt Jerusalem und der Tempel wurden verödet nur Fremde hausten darin.

5. Da erhob sich die fromme Priesterfamilie Hasmonai,  Matitja mit seinen fünf Söhnen. Sie fielen nicht ab, sie flohen nicht, sie leisteten Widerstand. Juda mit dem Beinamen Makkabi, der dritte Sohn Matitjas, ein löwenkühner Held, sammelte eine kleine Schar ihm gleichgesinnter Streiter und nahm den Kampf gegen den tausendfach überlegenen Feind auf. Gott war mit den um die Tora, um ihr Vaterland Kämpfenden, und diese erfochten glänzende Sieg.

6. Nach mehrjährigen, schweren Kämpfen gelang es ihnen, den Feind so weit zurückzudrängen, dass sie Jerusalem und den Tempel wieder in ihre Gewalt bekamen. Mitten im Kriege, von Feinden noch ringsum bedroht, räumten sie die von Schutt und Dorngestrüpp bedeckte Tempelstätte, reinigten das geschändete Heiligtum, stellten den Altar wieder her, richteten den Opferdienst wieder ein und weihten den Tempel acht Tage lang ein. Zum Anzünden des heiligen Leuchters fand man ein mit dem Siegel des Hohenpriesters versehenes Krüglein Öl, welche, obwohl nur für einen Tag bemes­sen, acht Tage ausreichte, bis neues, reines Öl hergestellt war. Die Einweihung begann am 25. Kislew. Zur Erinne­rung hieran und an alle diese wunderbaren Ereignisse ordneten die Weisen jener Zeit an, dass wir alljährlich, mit dem 25. Kislew beginnend, das Einweihungsfest (Chanukka) feiern, acht Tage lang. Für diese Feier gelten folgende Vorschriften.

7. Jeder, auch der Ärmste, ist verpflichtet, während der acht Abende (erstmals vom 24. auf den 25.) außer dem Licht für den Haushalt noch besondere Lichter anzuzünden. In Familien, wo Männer anzünden, zünden Frauen gewöhnlich nicht an, jedoch sollen Knaben dazu angehalten wrden. Alleinstehende Frauen aber, oder Frauen, deren Männer verhindert sind, sollen anzünden. Die nichtanzündenden Frauen sollen jedoch beim Anzünden durch die Männer zugegen sein; auch sollen die Frauen nichts arbeiten, so lange die Lichter brennen. ‑ Am ersten Abend zündet man ein Licht an, dann jeden Abend eines mehr, so dass es am achten Abend acht sind. ‑ Die Lichter jedes einzelnen anzündenden Hausgenossen sollen von denen der andern getrennt stehen, dass sich erkennen läßt, wie viele Personen angezündet haben. ‑ Man beginnt auf der rechten Seite, zündet dann jeden Abend das nach links neu hinzug­fügte Licht zuerst an. ‑ Die Lichter sollen geradlinig innerhalb des Raumes von 3 ‑ 10 Fausthöhen über dem Fußboden aufgestellt werden; die Lampe ist in diese gesetzliche Stellung zu bringen, bevor die Lichter angezündet werden. Wenn tunlich, sollen die Lichter so angebracht sein, dass sie von  der Straße aus gesehen werden. ‑ Man darf Öl oder Wachskerzen als Brennstoff benutzen; ersteres soll jedoch vom besten und reinsten genommen werden und letztere müssen einfach, dürfen nicht geflochten sein. ‑ Man zündet die Lichter beim Beginn der Nacht an; der Brennstoff muß mindestens auf die Dauer einer halben Stunde berechnet sein. Wer aus irgend einem Grunde so spät anzündet, dass alle seine Hausge­nossen schon schlafen, spricht keine Bracha. ‑ Man darf die Chanukkalichter nicht zu irgend einer Verrichtung benutzen. Reisende, für welche zu Hause Lichter angezündet werden, sind nicht verpflichtet, auf der Reise solche anzuzünden; doch sollen sie, wenn möglich, beim Anzünden eines andern zugegen sein und Amen auf dessen Bracha sprechen.

‑ Am Freitag soll man so viel Brennstoff nehmen, dass die Lichter noch etwa eine halbe Stunde in die Nacht hinein brennen. Am Ausgang des Sabbats zündet man die Lichter vor Hawdala an. ‑  Vor dem Anzünden spricht man am ersten Abend die drei im Gebetbuch aufgenommenen Brachot; an den übrigen Abenden bleibt „scheheche-janu“ weg.

Man liest jeden Tag aus der Tora einen Teil von 4. Mos.7, betet das ganze Hallel und schaltet beim Tischgebet und 18. Gebet, das Gebet „Al-hanissim“ ein.

8. Hier beim Schluß des Abschnitts über die Fest‑, Feier‑ und Gedenktage sind noch anzuführen: der 18. Ijar (Lag b’omer) an welchem das Sterben der Schüler R. Akibas, wovon oben gesprochen wurde, aufhörte; dann der 15. Aw (hamischa Eser be Aw), welcher wegen vieler, von der Überlieferung berichte­ter erfreulicher Ereignisse in der Geschichte Israels zur Zeit des Tempels als sehr fröhliches Volksfest gefeiert wurde; endlich der 15. Sch’wat. Dieser ist nicht eigentlich ein Gedenktag, sondern nach der Mischna der Jahresanfang für die Berechnung des Zehnten von den Baumfrüchten, eine Feier des aus dem Winterschla­fe erwachenden pflanzlichen Lebens, das sich in der beginnenden Knospenentwicklung zeigt. an allen diesen Tagen unterbleibt, wie bereit oben (46,8) vorgetragen worden, das Bittgebet Tachanun. In vielen Orten wird an diesen Tagen, namentlich am erstgenannten, eine Schülerfeier veranstaltet.

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